Exkursion    
Sizilien 🇮🇹



nov—5-9

         “Palermo, noch nicht Orient, aber auch kein Okzident mehr. Ein bisschen Afrika, etwas Arabien, ein klein wenig Byzanz und Athen, etwas Rom, auch normannische Spuren, selbst Hinweise auf Spanien finden sich. Eine wilde Mischung, 3.000 Jahre Kulturgeschichte, griechische Siedler, römische Imperialisten, tolerante Sarazenen, gierige Spanier. Als habe das Schicksal alles in ein großes Gefäß geworfen und ordentlich verrührt.

Und was kommt dabei heraus? Chaotischer Verkehr zum Beispiel, hektisch, laut, aber voller Rücksicht. Die Fahrer schimpfen, hupen und drängeln, aber die Straße zu überqueren, ist unproblematisch. Einfach loslaufen – alle passen auf. Dunkle, schmutzige, beängstigend enge Straßen, durch die sich Autos quetschen, Fußgänger über Schlaglöcher springen, bevölkert mit auf den ersten Blick furchteinflößenden Menschen aus allen Ländern der Welt, die, wenn man sie anspricht, von ungewöhnlicher Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sind. Jeder versucht sich in fremder Zunge. Spricht, lächelt, hilft. Erstaunlich.

Die ganze Stadt voller Paläste. Heute sind es Schulen oder luxuriöse Hotels, Wohnhäuser, die meisten jedoch Ruinen. Über der noblen Fassade einer Bank erheben sich leere Fensterlöcher, Überreste der Renaissance, aufgestellt wie eine Kulisse für einen Kriegsfilm. [...]

Palermo verwirrt uns mit Gerüchen: Wir gehen durch enge, schäbige Gassen, und plötzlich schlägt einem ein wunderbarer Geruch von frittierten Fisch oder frisch geröstetem Kaffee entgegen. Um die Ecke ein Imbiss mit den köstlichsten Fritten südlich von Belgien oder ein Süßwarenhändler mit Fruchtgelee wie aus einer anderen Welt. Hier ist noch nichts automatisiert und desinfiziert. Brot wird von Hand gebacken und geschnitten, nicht mit Plastikhandschuhen, nur mit so was wie Liebe. Und so schmeckt es dann auch. Irdisch, nach Arbeit und Schweiß und Stolz und Tradition.“

(Auszug “Sizilien : Eine Reise nach Europa“, Kleimeier, Peter; am 15. Juni 2016, für die ZEIT)

Unsere Reise führt uns von Palermo, über die Tempelanlage von Segesta, nach Nuova Gibbelina und seinem Ursprung Gibbelina Vecchia bis hin zu den Ausgrabungsstätten von Selinunte. Wir beschäftigen uns mit Gegensätzen.

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